Wohnmobilland Schweiz hat in den letzten Jahren die Schaffung von Stellplätzen gefördert, indem Gemeinden und private Betreiber beraten wurden. Doch nun ein überraschender Schritt: Die Organisation wird selbst zum Stellplatzbetreiber. Rolf Järmann, Geschäftsführer Wohnmobilland Schweiz, erläutert die Gründe.

Wir haben gehört, dass Wohnmobilland Schweiz eigene Stellplätze betreiben will. Ist das ein Kurswechsel?
Rolf Järmann, Geschäftsführer Wohnmobilland Schweiz: «Nein, ich würde das nicht als Kurswechsel bezeichnen, eher als konsequente Weiterentwicklung unserer Arbeit. Der Vorstand hat während der herbstlichen Klausursitzung diese Möglichkeit intensiv diskutiert. Ausgangspunkt war eine Gemeinde, die ihren temporären Stellplatz per Ende Jahr schliesst – nicht wegen Zonen- oder Platzproblemen, sondern weil sie den Arbeits- und Kontrollaufwand nicht mehr tragen wollte. Genau da setzte unsere Überlegung an: Wie lässt sich ein bestehender Stellplatz erhalten?»
Wie kam es zum konkreten Projekt?
«Die Antwort war klar – wenn wir der Gemeinde Arbeit abnehmen, bleibt der Platz erhalten. Damit war der Weg für ein Pilotprojekt offen. Kurz darauf fragte uns die Stadt St. Gallen an, ob wir Interesse hätten, auf einem Grundstück einen temporären Stellplatz als Zwischennutzung für drei Jahre zu betreiben. Die Lage ist ideal: direkt bei der Altstadt, trotzdem erstaunlich ruhig. Der Platz ist allerdings klein – Raum für nur drei Wohnmobile.»
War das sofort das richtige Projekt
für euch?
«Keineswegs. Unser Ziel ist es, Stellplätze zu fördern und zu unterstützen, nicht bestehende Anbieter zu konkurrenzieren. Wir haben zuerst abgeklärt, ob jemand anders diesen Platz betreiben möchte.
Da wir niemanden fanden, und nach sorgfältiger Risikoabwägung, haben wir uns zur Zusage entschieden. Als Verein, der von
Mitgliederbeiträgen lebt, mussten wir auch sicherstellen, dass wir statutenkonform handeln. Für uns ist das ein spannendes Pilotprojekt.»
Welche Risiken habt ihr dabei
besonders im Blick?
«Zum einen die finanziellen Risiken, zum anderen der Arbeitsaufwand. Wir mieten den Platz von der Stadt an, brauchen Personen, die regelmässig nach dem Rechten sehen, und haben Initialkosten wie Baugesuch, Beschilderung und Informationstafeln. Wir mussten also ein solides Budget erstellen, die Auslastung realistisch abschätzen und einen angemessenen Übernachtungspreis festlegen. Unser Ziel: Nach drei Jahren mindestens eine schwarze Null schreiben.»
Sprechen wir über den Preis. Was kostet eine Übernachtung?
«Wir planen einen Übernachtungspreis von 20 Franken pro Wohnmobil. Für unsere Mitglieder gewähren wir einen Rabatt von 5 Franken pro Nacht.»
Aber der Stellplatz bietet doch keine Infrastruktur, oder?
«Genau. Der Stellplatz bietet bewusst keine zusätzliche Infrastruktur – also keinen Strom und keine Ver- oder Entsorgung. Dafür können Gäste unter Bäumen direkt vor dem Wohnmobil sitzen. Wer Infrastruktur benötigt, findet diese auf dem rund 600 Meter entfernten, neu überarbeiteten Stellplatz auf dem Areal Bach.»
Stellplatzpreise sind oft ein
Diskussionsthema. Wie rechtfertigt
ihr diese Preise?
«Im Vergleich: 24 Stunden Parkieren kostet in unmittelbarer Nähe über 50 Franken – deutlich teurer. Zudem sind die Kurtaxen bereits im Preis inbegriffen. Das relativiert die Diskussion schnell.»
Wer kümmert sich um Unterhalt und Kontrolle des Platzes?
«Der Check-in funktioniert bewusst einfach: QR-Code scannen, Kontrollschild eingeben, mit Kreditkarte oder Twint bezahlen – fertig. Trotzdem ist es uns wichtig, dass täglich jemand vorbeischaut, ein Auge auf Ordnung und Sauberkeit hat und bei Bedarf auf das Platzreglement hinweist. Ein ungepflegter Platz kommt für uns nicht infrage – dieses Projekt soll Vorbildcharakter haben. Deshalb haben wir unsere Mitglieder aus St. Gallen angeschrieben und sofort engagierte Helfer gefunden.»
Gab es bei den Vorbereitungen
Überraschungen?
«Dass man für einen Stellplatz, bei dem man keinen einzigen Nagel einschlägt, ein umfangreiches Baugesuch einreichen muss, war uns bekannt. Auch die Abrechnung der Kurtaxen gehört dazu – hier hoffen wir auf ein vereinfachtes Verfahren, entsprechende Gespräche laufen bereits.
Überrascht hat uns allerdings die Höhe der Kosten für die Beschilderung. In der Schweiz ist eben nichts gratis.»
Wann ist die Eröffnung geplant?
«Wir hoffen, ab 1. April bereit zu sein – vielleicht klappt es sogar schon etwas früher. Auf jeden Fall freuen wir uns auf eine spannende Zeit und hoffentlich viele Wohnmobilbesucher.»
Mehr News gibt es in der Ausgabe 1/2026 vom Magazin WOHNMOBIL & CARAVAN.
Interview: RED
aus dem Magazin: Wohnmobil & Caravan, Zeitschrift Nr. 1/2026